Cybermopping

Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland zwischen 14 und 17 Jahren hat Erfahrungen mit Cybermobbing – also im Internet ausgetragenes Mobbing – gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt die SINUS-Jugendstudie 2020, an der die Barmer als Partnerin beteiligt ist. Cybermobbing beeinträchtigt den Studienergebnissen zufolge gravierend den Alltag und führt bei einigen Betroffenen zu Depressionen und Suchtverhalten. Für Eltern und weitere Bezugspersonen ist Cybermobbing oft schwer erkennbar, da es unsichtbar an Tablet, Smartphone oder PC stattfindet. Im Gegensatz zum Mobbing in der Offline-Welt (in Schule, Sportverein etc.) ist die Belastung beim Cybermobbing oft noch größer, da ein „abschalten“ nicht möglich ist – die Attacken können permanent stattfinden.

Typische Taten des Cybermobbings:

  • In Chats wird über eine Person massiv gelästert
  • Geheimnisse werden weitererzählt
  • Gerüchte werden in die Welt gesetzt
  • Peinliche Fotos und Videos werden verschickt
  • Hass-Gruppen werden extra dafür gegründet, um gemeinsam jemanden fertigzumachen
  • Falsche Profile werden angelegt, um jemandem Geheimnisse zu entlocken und diese dann zu verbreiten
  • Ausgrenzung aus Gruppen oder anderen Aktivitäten in den Sozialen Medien

Cybermobbing als Gefahr die Gesundheit

Ob beleidigende Mails, peinliche Videos oder Bloßstellungen auf in den sozialen Medien – Cybermobbing kann die Gesundheit stark beeinträchtigen. Von körperlichen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Schlafstörungen bis hin zu Depressionen ist die Bandbreite möglicher Folgen sehr groß.

Mögliche Symptome bei Kindern und Jugendlichen

  • Angst oder Verweigerung, zur Schule zu gehen
  • Der Wunsch, allein zu sein
  • Rückzug in Pausen oder beim Sport in der Schule
  • Kein Interesse mehr an Hobbys
  • Traurigkeit oder Wut nach der Nutzung von Laptop oder Handy
  • Angstvolles Vermeiden Sozialer Medien
  • Sofortiges Ausschalten von Laptop oder Handy, wenn sich Eltern oder Freunde nähern
  • Körperliche Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen
  • Scheinbar grundloser Leistungsabfall
  • Vermeiden von sozialen Kontakten
  • Depressionen

Was kann ich als Opfer von Cybermobbing tun?

In keinem Fall sollte man auf solche E-Mails oder SMS antworten, sondern sich zunächst bei der Familie oder im Freundeskreis Rat suchen. Wenn das nicht geht, gibt es auch Hilfe-Hotlines, die man anrufen oder anschreiben kann. Wichtig ist auch, Beweismaterial zu sichern: Alles speichern, aufschreiben und Screenshots machen. Veranlassen sollte man die Löschung von diffamierenden Inhalten beim Netzwerk-Betreiber oder dem Betreiber der Seite. Wenn der Mobber oder die Mobberin bekannt ist, löscht der oder die Betroffene den Namen aus der Kontaktliste oder ignoriert ihn oder sie. In schwerwiegenden Fällen erstattet man Anzeige.

Was tue ich, wenn ich merke, dass jemand Opfer wird?

Am besten ist es, die Person direkt anzusprechen und ihr zu sagen: „Ich bin für dich da!“ Niemand darf das Gefühl haben, in der Situation alleine zu sein und selbst damit klarkommen zu müssen.

Wie können Eltern helfen?

Vor allem, indem Eltern ihrem Kind zur Seite stehen und dessen Selbstbewusstsein stärken. Die wichtigste Botschaft: „Es liegt nicht an Dir!“ Gerade bei Cybermobbing ist es wichtig, dass Kinder sich trauen, offen darüber zu reden, statt sich zu fürchten, dass ihnen die Eltern zusätzlich auch noch das Handy wegnehmen.

10 Tipps für Jugendliche:

  1. Habe gesundes Misstrauen gegenüber Fremden und falschen Freunden.
  2. Ruhe bewahren und keine Selbstzweifel aufkommen lassen. Denn: Du bist okay, so wie Du bist!
  3. Nicht reagieren. Auch wenn es schwer fällt: Die Täter warten wahrscheinlich nur darauf, Deine Reaktion als Aufhänger für den nächsten Angriff zu nutzen.
  4. Hol Dir Hilfe und rede darüber. Wende Dich an Deine Eltern, Lehrer oder andere erwachsene Personen, denen Du vertraust, oder an eine offizielle Hilfseinrichtung.
  5. Dokumentiere die Angriffe. Sichere Kopien von Attacken, die Du erlebst. Das hilft später bei der Aufklärung des Falles.
  6. Sperre die Täterin oder den Täter oder/und melde sie oder ihn beim jeweiligen Social-Media-Anbieter.
  7. Lass die Inhalte vom Social-Media-Anbieter (Impressum!) löschen, soweit dies möglich ist.
  8. Kenne Deine Rechte. Niemand darf Dich – weder online noch offline – verletzen und beleidigen und auch nicht unerlaubt Fotos oder Videos von Dir veröffentlichen.
  9. In schlimmen Fällen: Wende Dich an die Polizei, erstatte Anzeige.
  10. Hilf betroffenen Freunden: Wer Cybermobbing erlebt, braucht jemanden, der zu ihm hält.

10 Tipps für Eltern:

  1. Sprechen Sie mit ihren Kindern so früh wie möglich über Risiken im Internet.
  2. Seien Sie der sichere Hafen und bieten Sie uneingeschränkten Rückhalt.
  3. Hören Sie aufmerksam zu.
  4. Signalisieren Sie, dass stets über alle Probleme geredet werden kann und dass Sie gemeinsam Lösungen dafür finden werden.
  5. Drohen Sie nicht, das Handy wegzunehmen oder mit anderen Strafen.
  6. Werden Sie aktiv – Cybermobbing verstummt nicht von allein.
  7. Melden Sie den Vorfall dem Betreiber der jeweiligen Online-Plattform.
  8. Löschen Sie die Mobberin oder den Mobber aus der Kontaktliste.
  9. Sichern Sie Beweismaterial.
  10. Kontaktieren Sie die Schule, nach Rücksprache mit dem Kind gegebenenfalls auch die Eltern der Täterinnen und Täter und – wenn diese Maßnahmen nicht helfen – durchaus auch die Polizei.

Hilfs- und Informationsangebote:

 krisenchat.de

krisenchat.de ist ein bundesweites, ehrenamtliches und kostenloses Hilfsangebot für Kinder und junge Erwachsene in Not. Das Angebot bietet Kindern und Jugendlichen professionelle Hilfe – jeden Tag, 24 Stunden, per SMS oder WhatsApp. Der Chatkanal wird von ehrenamtlichen qualifizierten Krisenberaterinnen und -beratern betrieben.

www.krisenchat.de

Bündnis gegen Cybermobbing e.V.

Übersichtlich strukturiert finden sich hier Anlaufstellen und gute Tipps für Opfer von Cybermobbing, deren Eltern und Lehrerinnen und Lehrer.

https://www.buendnis-gegen-cybermobbing.de/

Juuuport

Auf dieser Selbsthilfe-Plattform der Niedersächsischen Landesmedienanstalt geben fachlich geschulte ehrenamtliche Scouts zwischen 14 und 18 Jahren ihren Altersgenossinnen und -genossen Tipps bei und gegen Cybermobbing.

https://www.juuuport.de/beratung

Nummer gegen Kummer

Die Nummer gegen Kummer ist eine kostenfreie Anlaufstelle bei psychischen Problemen – auch bei Cybermobbing, das psychisch schwer belastend sein kann. Kinder und Jugendliche wählen 0800 1110333, Eltern und Pädagogen 0800 1110550.

www.nummergegenkummer.de

Quelle: https://www.barmer.de/presse/bundeslaender-aktuell/thueringen/archiv-pressemitteilungen/cybermobbing-thueringen-270360